9
Jan
2016

Masochismus im BDSM-Kontext

Masochisten sind Menschen, die durch körperliche Schmerzen eine sexuelle Luststeigerung erfahren. Der reine Masochist ist nicht devot und sucht keine dominante Führung, sondern einen Gefährten oder eine Gefährtin auf gleicher Augenhöhe.

Von diesem Gefährten wünscht sich der masochistische Mensch, dass er ihm oder ihr Schmerzen zufügt und bis zur Grenze der körperlichen Belastbarkeit begleitet. Dabei haben viele Masochisten häufig eine sehr genaue Vorstellung davon, was für eine Schmerzart, an welcher Körperstelle, mit welchem Instrument und in welcher Intensität sie genießen und sich wünschen.

Beim Ausleben von BDSM-Lust mit masochistischen Menschen stehen oft konkrete Praktiken im Fokus, die Übung benötigen und vor allem das nötige Fachwissen voraussetzen, wie man bestimmte Materialen und Instrumente richtig und sicher (aber dennoch effektvoll) einsetzen kann. Dabei können Cock and Ball Torture, Flagellation aber auch Fisting, Nadelungen oder gar Cutting und Branding beliebte Behandlungsweisen sein.

Natürlich gibt es aber auch viele devote Menschen mit masochistischer Tendenz und es ist eine wahre Kunst, herauszufinden, ob:

  • ich ein rein devotes Gegenüber habe, das sich aus Lust an der Macht auch Schmerzen wünscht
  • ich ein devot/masochistisches Gegenüber habe, bei dem Hingabe und Schmerz gleichermaßen bedeutend und lustauslösend sind
  • ich ein rein masochistisches Gegenüber habe, bei dem Dominanz und Devotion nur eine untergeordnete oder gar keine Rolle spielen.

Manchmal hilft eine Frage nach der Art und Weise der Selbstbefriedigung des Gegenübers. Während sich der „reine“ Masochist und der devote Mensch mit masochistischer Tendenz oft bei der Selbstbefriedigung selbst auch Schmerzreize zufügen, um die eigene Erregung zu steigern, würde der eher devote Mensch sich gedanklich vorstellen, dass ihm jemandem Schmerzen zufügt, aber selbst nicht aktiv dazu beitragen. Das ist jedoch nur ein sehr kleiner Fingerzeig und kein wirklich verlässlicher Anhaltspunkt, sorry.

 

Zusatz

Der Begriff Masochismus wird, ebenso wie der Begriff des Sadismus, heutzutage auch in medizinischen Diagnosen als „Störung der Sexualpräferenz“ verwendet. Aus diesem Grund hören einige BDSMler diese Bezeichnung als Masochist oder auch Sadist nur noch sehr ungern und weichen stattdessen auf andere Begrifflichkeiten aus.

Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) codiert und klassifiziert Diagnosen und medizinische Bezeichnungssysteme. Dort wird wie folgt beschrieben:

Es werden sexuelle Aktivitäten mit Zufügung von Schmerzen, Erniedrigung oder Fesseln bevorzugt. Wenn die betroffene Person diese Art der Stimulation erleidet, handelt es sich um Masochismus; wenn sie sie jemand anderem zufügt, um Sadismus. Oft empfindet die betroffene Person sowohl bei masochistischen als auch sadistischen Aktivitäten sexuelle Erregung.“(Quelle: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information)

Da ich – ganz persönlich – diese sachliche Beschreibung jedoch gar nicht so unzutreffend (wenn auch sehr reduziert) empfinde, mir jegliche Wertungen in krank, pervers, gestört absolut fern liegen und zudem völlig gleichgültig sind, benutze ich sie auch weiterhin. Es ist, was es ist und jeder darf und wird seine ganz eigene Beschreibung, Auffassung und Wertung verwenden, egal ob überzeugter BDSMler, Mediziner, beliebige Organisationen und Verbände, Du oder ich.