10
Feb
2016
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Atemkontrolle und -reduktion – Allgemeines

…auch Breath Control Play oder Erotic Asphyxiation genannt…

Die Lust an der Atemlosigkeit bei BDSM-Spielen kann ganz unterschiedliche Hintergründe haben. Den meisten Menschen mit einer Vorliebe für Atemkontrolle und -reduktion geht es jedoch vor allem um das Gefühl von maximaler Hingabe sowie ein rauschähnliches Glücksgefühl durch eine Körper-Chemische Reaktion.

Was geht denn mehr, als die Kontrolle über das Bewusstsein und Leben Deines Spielpartners?

Die Kontrolle der Atemfunktion eines Menschen löst sehr schnell ein umfassendes Gefühl von Hilflosigkeit und Auslieferung aus, denn der aktive Spielpartner kontrolliert damit ja auch tatsächlich „Leib und Leben“. Ein Fehler oder eine kleine Unachtsamkeit kann im Handumdrehen mindestens (!) zu einer Bewusstlosigkeit führen. Dieser Umstand setzt von Seiten des passiven Spielpartners einerseits den Wunsch und die Fähigkeit zur Hingabe, als auch ein stabiles Vertrauen gegenüber dem kontrollierenden Partner voraus. Dem aktiven Partner hingegen schenkt diese Spielart ein starkes Machtgefühl, denn ganz ehrlich: was geht denn mehr, als die Kontrolle über das Bewusstsein und Leben Deines Spielpartners?

Neben dem Gefühl absoluter Devotion löst die Reduktion des Atmens ganz bestimmte Körper-Chemische Reaktionen hervor. Durch die Reduktion der Atmung entsteht im Körper eine Unterversorgung mit Sauerstoff und dadurch erhöht sich gleichzeitig der Kohlendioxidgehalt im Blut. Das wiederum führt dann zu einem Ausstoß von Adrenalin im Körper, was – besonders in Verbindung mit sexueller Lust – ein euphorisches Glücksgefühl und einen rauschähnlichen Zustand bewirkt. Besonders Atemkontrollspiele während des Orgasmus verstärken dieses Gefühl. Viele Menschen erzeugen diesen Effekt oft ganz unbewusst in ihrem „Liebesspiel“, indem sie kurz vor dem Orgasmus die Luft anhalten. Achte mal darauf, ob Du auch dazu gehörst. 😉

Atemkontrolle und -reduktion gehört zu den gefährlichsten Techniken des BDSM…

Abgesehen von diesen beiden Effekten, ist es manchmal auch einfach nur das „reizvolle Spiel mit der Gefahr“, das Menschen mit einer Vorliebe für diese Spielart erregt. An dieser Stelle möchte ich deshalb auch in aller Deutlichkeit darauf hinweisen, dass alle Techniken der Atemkontrolle mit einem hohen Risiko verbunden sind. Atemkontrolle und -reduktion gehört zu den gefährlichsten Techniken des BDSM und es gab und gibt immer wieder Todesfälle zu beklagen. Und selbst wenn es bei einem Fehler nicht gleich zum Tode führt, ist auch eine Panikattacke oder eine Bewusstlosigkeit kein Kinkerlitzchen und kann zur Folge haben, dass Dein Spielpartner das Vertrauen zu Dir verliert.

Es ist also absolut unerlässlich, dass Du:

  • beherrschst, was Du tust
  • über anatomische und physiologische Kenntnisse verfügst
  • auch mit psychischen Reaktionen Deines Spielpartners sicher umgehen kannst
  • Atemwegserkrankungen Deines Spielpartners ausschließen kannst
  • zur Not erste Hilfe leisten kannst

Und da bin ich tatsächlich Pedantin oder Spießerin im Reinformat, denn es ist nicht überdimensional tragisch, wenn Dir mal eine Handfessel verrutscht oder eine Klammer von der Brustwarze flutscht, aber bei der Atmung darf einfach nichts schief gehen.

Grundsätze

  • Als oberster Grundsatz gilt immer: Eine in der Atmung reduzierte oder kontrollierte Person NIEMALS allein lassen! Es braucht nur wenige Minütchen, bis ein Mensch erstickt ist – ganz abgesehen von der Panik, die in einer solchen Situation entstehen kann, falls Dein Spielpartner überlebt.
  • NIEMALS autoerotische Atemkontrollspiele durchführen! Die Gefahr hierbei ist schlichtweg viel zu groß, dass man sich selbst nicht mehr befreien kann und durch eine Ohnmacht den Erstickungstod erleidet.
  • Den passiven Partner bei den ersten gemeinsamen Atemkontrollspielen NIE vollständig fesseln oder mumifizieren! Eine freie Hand ist wichtig für Signale oder in größter Not auch zur Selbstbefreiung.
  • Atemreduktionsspiele lieber liegend durchführen. So musst Du im Fall einer Ohnmacht nicht darauf achten, wo Dein Spielpartner hinfällt und sich ggf. zusätzliche Verletzungen zufügt.
  • Bei Bluthochdruck des passiven Spielpartners ist die Zeit der Atemreduktion zu halbieren.
  • Atemkontrollspiele nie in Verbindung mit Alkohol, denn auch geringe Mengen Alkohol verändern bereits die Atmung.
  • Immer auf dem einfachsten Level beginnen – nicht „höher, schneller, weiter, länger…“! Ein bisschen zu viel Luft ist nicht schlimm. Ein bisschen zu wenig Luft ist tödlich.

Techniken der Atemkontrolle

Im weiteren Verlauf des Blogs werde ich auf alle Techniken der Atemkontrolle und -reduktion einzeln eingehen. Hier aber schon mal ein Überblick der gängigsten Techniken:

  • Atemreduktion auf Befehl
  • HOM (Hand over mouth)
  • Facesitting
  • Würgespiele mit Händen oder Seilen
  • Abdrücken von Luftröhre oder Halsschlagader
  • Bagging = Verwendung von Plastikfolie oder Plastiktüten
  • Masken
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