15
Feb
2016
264

RACK – Risk-Aware Consensual Kink

RACK steht als Akronym für Risk-Aware Consensual Kink.

Diese Bezeichnung umschreibt ein alternatives moralisches Verhaltensmodell zu dem SSC-Modell (siehe mein Blog Safe, Sane & Consensual – SSC ) und bedeutet, dass die Grundsätze vor allem auf Einvernehmlichkeit und individueller persönlicher Risikobeurteilung basieren.

Der Begriff Kink wird hierbei in der Regel synonym für eine BDSM-Lebensweise oder -Sexualität verwendet, kann aber auch für andere gesellschaftlich abweichende Lebensweisen oder Formen der Sexualität stehen.

RACK geht im Grundsatz davon aus, dass alle BDSM-Praktiken unwägbare und ebenso kalkulierbare Risiken beinhalten und dass sich alle Beteiligten darüber bewusst und einverstanden sein sollten. RACK-Befürworter lehnen somit die Betonung der Sicherheit (safe) und der Vernunft (sane) eher ab, da sie nicht der Lebenswirklichkeit Beteiligter entsprechen und die Begriffe zudem sehr ungenau definiert sind.

Und eigentlich ist das ja genau die Kritik, die ich auch an dem SSC-Modell übe, aber das RACK-Modell passt mir trotzdem ebenso wenig. Das, was mir bei SSC einfach zu schwammig ist, ist mir bei RACK schlichtweg zu wenig, denn ich bin prinzipiell durchaus der Ansicht, dass der aktive und Praktiken durchführende Partner auch mehr Verantwortung für ihr oder sein Tun übernehmen sollte. Und darauf wird bei diesem Modell gar nicht eingegangen.

Übersetzt hieße das ja in ungefähr: „Ok, wir wissen um Risiken und Gefahren. Wir wissen, dass etwas schief gehen kann. Und damit sind wir einverstanden.“ Mir persönlich fehlt da einfach noch der Gedanke, dass ich als TOP beherrschen und verantworten sollte, was ich mit meinem Spielpartner anstelle. Und dass ich als führender Part eben auch dafür in die (moralische) Pflicht genommen werde.

Wie verwegen wäre es eigentlich, erwachsenen, klar denkenden und empfindenden Menschen gar kein Verhaltensmodell aufzuerlegen?

Klar, Kritik zu üben ist immer leicht. Und es ist noch leichter, wenn man selbst gar keine andere passende Lösung parat hat. Aber gibt es denn eine Lösung? Oder anders gefragt: braucht es unbedingt noch irgendein neues Verhaltensmodell mit neuen Kürzeln und Formulierungen? Und wie verwegen wäre es eigentlich, erwachsenen, klar denkenden und empfindenden Menschen gar kein Verhaltensmodell aufzuerlegen?

Wenn ich:

  • ein gesundes und wertschätzendes Menschenbild habe,
  • ein stabiles Verantwortungsbewusstsein für andere Menschen und mir selbst gegenüber besitze,
  • über eine gute Portion BDSM-Fachwissen mit physiologischen sowie psychologischen Kenntnissen verfüge und
  • keine kriminelle Energie mein Eigen nenne (und damit strafbare Handlungen ausschließen kann),

UND dann noch eine generelle Freiwilligkeit (und Einvernehmlichkeit) zugrunde lege, brauche ich dann noch ein moralisches Verhaltensmodell?

Und wenn ich all dies nicht habe, sondern möglicherweise eine Dumpfbacke vor dem Herrn bin, sexuell völlig übersteuert bin oder gar soziopathische Züge haben, so dass mir andere Menschen und deren Empfindungen völlig gleichgültig sind, erreicht mich dann überhaupt ein wie-auch-immer-genanntes moralisches Verhaltensmodell? Werde ich mich dann überhaupt informieren und wissen, dass es so etwas wie ein moralisches Verhaltensmodell für BDSMler überhaupt gibt?

Und abschließend noch eine letzte Frage: Denkst Du, ein moralisches Verhaltensmodell hat überhaupt Einfluss darauf, was zwei Menschen in ihrer Lust miteinander tun oder geht es hierbei lediglich um ein hübsches Bild nach Außen?

Fragen über Fragen…

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