18
Mai
2016
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Atemkontrolle und –reduktion – Gefahren

Wer sich für Spiele der Atemkontrolle und –reduktion interessiert, sollte sich stets des hohen Risikos bewusst sein, dass dieser sehr schönen und intensiven Spielart inne wohnt.

Deshalb ist es absolut unumgänglich, sich sowohl in der Theorie, als auch in der Praxis ausführlich mit dieser Thematik zu beschäftigen, bevor man seinem Spielpartner, im wahrsten Sinne des Wortes, den Atem raubt. Und sicher hast Du ja bereits meinen ersten Blog zu diesem Themenbereich Atemkontrolle und -reduktion – Allgemeines gelesen, nicht wahr? 😉

Heute möchte ich auf die Gefahren der Atemkontrolle und –reduktion eingehen, die im Kern auf drei Hauptgefahren zurück zu führen sind, aber bei fast allen Techniken von Atemkontrollspielen auftreten können.

 

Asphyxie oder Asphyxia

Asphyxie ist ein Zustand der Kreislaufschwäche mit eventueller Bewusstlosigkeit und vor allem einer schweren Atemdepression bis hin zum Atemstillstand. Das heißt, hier droht ganz akut eine Erstickung, beispielsweise durch verstopfte Atemwege bei zu niedrigem Luftdruck in großen Höhen, bei einer Atemlähmung oder bei mechanischer Behinderung des Einatmens. Und die mechanische Behinderung des Einatmens wird ja nun mal bei allen Atemkontrollspielen durch den aktiven Spielpartner ausgelöst, ob mit der Hand, mit Masken, mit Folien oder anderen Hilfsmitteln.

Der fehlende Gasaustausch in der Lunge führt zu einem Abfall des gesamten Blutsauerstoffs (Hypoxämie) und dies wiederum führt zu einer Sauerstoffunterversorgung im arteriellen Blut und im Körpergewebe (Hypoxie). Diesen Zustand erkennt man an der sogenannten Zyanose: dem Blauanlaufen von Haut und Schleimhäuten, insbesondere Lippen, Fingernägel und Fußnägel.

Außerdem sammelt sich, durch die ebenso fehlende Ausatmung Kohlendioxid (CO2) in Blut und Gewebe (Hyperkapnie), was als sog. Kohlendioxidnarkose zu Ohnmacht, Bewusstseinseintrübung und sogar zum Koma führen kann, wenn nicht schnell genug gehandelt wird. Das bedeutet: der Mensch braucht dann dringend Sauerstoff und in schweren Fällen auch Erste Hilfe, Sauerstofftherapie oder Wiederbelebungsmaßnahmen. Bei anhaltender Sauerstoffunterversorgung kommt es sonst zwangsläufig zum Atemstillstand mit Herz-/Kreislaufversagen und damit zum Tod!

 

Karotis-Sinus-Reflex

Der Karotis-Sinus-Reflex ist ein Schutzmechanismus des Körpers zur Stabilisierung des Blutdrucks und damit der Durchblutung von Herz und Gehirn. Der Karotis-Sinus-Reflex kann durch Druck auf die Halsschlagader im Bereich der Karotisgabel ausgelöst werden. Diese Stelle befindet sich seitlich am Hals, ungefähr in einer graden Linie am Hals abwärts, unterhalb des Ohrläppchens.

An dieser Gabelung befinden sich Rezeptoren, die quasi den körpereigenen Blutdruck messen. Ist dieser Druck zu hoch, wird dies automatisch dem Gehirn gemeldet und dann die Herzfrequenz sowie der Blutdruck gesenkt.

Durch Druck, Strangulation mit Händen oder Seilen oder einen Schlag auf die Karotisgabel kann dieser Reflex künstlich ausgelöst werden, denn der Körper wertet dies fälschlich als erhöhten Blutdruck im ganzen Körper, das heißt Blutdruck und Pulsfrequenz werden schlagartig drastisch gesenkt. Das bewirkt dann, dass durch den starken Abfall des Blutdrucks der Kreislauf kollabiert oder sogar ein vorübergehender Herzstillstand ausgelöst wird.

Bei Menschen mit zu stark ausgeprägtem Karotis-Sinus-Reflex (Karotis-Sinus-Syndrom), kann der Reflex bereits durch ein zu enges Halsband, einen zu engen Hemdkragen oder auch nur eine Drehung des Kopfes ausgelöst werden.

Immer wieder passiert es, das der Karotis-Sinus-Reflex bei Strangulationsspielen zufällig oder aber auch ganz bewusst ausgelöst wird. Dies kann vor allem dann gefährlich werden, wenn sich jemand allein eine Schlinge o.ä. um den Hals legt. Im unglücklichsten Fall kann ein solches Verhalten zum Tode führen. Und auch ohne Schlinge um den Hals ist ein Kreislaufkollaps oder ein Herzstillstand alles andere als tolerabel. Führt also bitte nie einen Menschen ganz bewusst in diesen Zustand – auch, wenn sich so einige devote Menschen genau DAS wünschen.

 

Verletzungen des Kehlkopfs

Durch starke Gewalteinwirkung auf den Kehlkopf, wie sie beispielsweise bei Würgespielen oder Strangulation entstehen kann, ist es möglich, den Kehlkopf massiv zu schädigen. Alle Arten von Verletzungen sind dabei gefährlich, denn sie können zu einer lebensbedrohlichen Einengung der Luftröhre führen. Eine sehr seltene Verletzung ist beispielsweise ein vollständig von der Luftröhre abgerissener Kehlkopf, aber es kann ebenso zu Knorpelschädigungen des Kehlkopfs (eingedrückter Kehlkopf), Schwellungen im Kehlkopfbereich oder der Luftröhre, Wasseransammlungen in verletztem Gewebe, Stimmlippenverletzungen oder Nervenverletzungen im betroffenen Bereich  kommen.

Alle diese Verletzungen können im schlimmsten Fall tödlich enden, wenn die Atmung behindert oder komplett blockiert wird. Deshalb merk Dir bitte von vornerein, dass Druck auf den Kehlkopf durch Würgen oder Strangulation einfach prinzipiell keine gute Idee ist.


Meine Empfehlung lautet deshalb generell:

Lern es. Gut und gründlich. So intensiv und umfangreich, wie Dir das Leben Deines Gegenübers es wert ist.

 

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