26
Mai
2016
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Redaktionzukunft – Das lustvolle Spiel mit der Macht

Vor einigen Wochen bekam ich eine E-Mail von Geraldine Nirschl und Malin Zeuchner, zwei jungen Frauen, die an der Hochschule der Medien in Stuttgart studieren. Sie schrieben mir, dass sie gerne für die Onlineredaktion der Hochschule Redaktionzukunft einen Artikel über BDSM in Stuttgart mit dem Titel „Unsichtbar“ schreiben möchten. Ich fand die beiden sofort sympathisch und ihre Themenwahl ebenso spannend wie mutig, für zwei angehende Journalistinnen.

Die beiden haben sich munter in die Arbeit gestürzt und Interviews erstellt, an denen ich sehr gerne teilgenommen habe. Ich gebe zu, dass ich zu Beginn etwas skeptisch war, denn es ist ja keine Seltenheit, dass die Thematik des BDSM in der medialen Welt gerne reißerisch und monströs gewalttätig dargestellt wird. Die beiden versicherten mir jedoch glaubhaft, dass ihnen das mehr als fern läge. Und ganz ehrlich: sie haben wirklich einen schönen, weltoffenen und wertfreien Artikel geschrieben, den ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Um den Artikel ganz lesen zu können, klickt bitte HIER oder auf die Bilder, denn da habe ich den ganzen Artikel der Reaktionzukunft verlinkt.

Hier jedoch schon mal ein kleiner Auszug:


Sadomasochismus

Das lustvolle Spiel mit der Macht

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Eine Reise in die Welt des BDSM. | Bild: Geraldine Nirschl

Fesselspiele, Handschellen und Rohrstöcke: Seit dem Erfolg des Bestsellers „Fifty Shades of Grey“ ist Sadomasochismus für fast jeden ein Begriff. Ich traf drei Menschen, die offen mit ihrer Vorliebe zu BDSM umgehen. Sie sprachen über Vertrauen, Vorurteile und was hinter all den Klischees steckt.

Da stehe ich nun. Mein erster Blick geht zu dem frisch überzogenen Bett. Die rotgoldenen Tapeten und die dunkle Holzwand machen das Zimmer gemütlich. Mein Blick wandert weiter von dem Regal mit Sexspielzeug zu dem großen braunen Käfig. Von der Decke hängt ein Seil mit einem ledernen Armband. An einer schwarzen Holzleiste befinden sich Klammern, Handschellen und Peitschen. […]

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Für Michael gehört BDSM inzwischen zum Alltag. Auch Lisa*, Bondage- und SM-Coach der Stuttgarter BDSM-Manufaktur, sowie der Sozialpädagogen Lukas*, teilen diese Leidenschaft. Doch wo beginnen außergewöhnliche Vorlieben? Coach Lisa ist der Meinung, dass in jedem Menschen etwas schlummert, das man in eine BDSM-Schublade stecken könnte. Bei vielen erscheint jedoch bei dem Begriff ein rotes Lämpchen im Kopf. […]

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[…] Coach Lisa verliebte sich erstmals mit 19 Jahren in einen sexuell dominanten Mann. „Ich habe mich von dieser Art der Sexualität magisch angezogen gefühlt. Es war so aufregend und unglaublich lustvoll.“ Auch sie hatte mit einer „moralischen Schere zu kämpfen“: „Meine gesamte Vorstellung von gesellschaftlichen Normen wurde durch meine eigene Lust immer wieder auf den Kopf gestellt. Das war oft ein Wechselbad der Gefühle von Verlangen zu Scham und wieder zurück.“ […]

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Wie bei allen Beziehungen sind auch bei BDSM Vertrauen und Kommunikation wichtige Faktoren, gerade weil Schmerzen und Macht im Spiel sind. „Bei BDSM spielen das gemeinsame Erkennen und die Kommunikation von Lust und persönlichen Grenzen eine große Rolle“, sagt Coach Lisa. Sozialpädagoge Lukas betont: „Jeder Mensch macht mal Fehler. Auch bei einer SM-Session. Ich muss mir aber sicher sein, dass meine Partnerin sich traut, «Stopp freuen sich übrigens» oder «Nein» zu sagen.“ Die Machtverhältnisse sollten im Voraus geklärt sein. Gerade nach einem Spiel muss Raum sein, den anderen mit der sogenannten Nachsorge durch zärtlichen Körperkontakt aufzufangen. […]

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„Natürlich kommt erschwerend hinzu, dass die mediale Aufbereitung von BDSM sehr oft ein schwarz-weiß Schema zeichnet“, sagt Coach Lisa. „Diese Darstellung eignet sich hervorragend dazu, in reißerischer Form monströse Gewaltdarstellungen und pornografische Elemente miteinander zu verbinden, um damit die eigenen Umsatzzahlen zu erhöhen.“ Haben Journalisten jedoch nicht die Aufgabe, wahrheitsgetreu zu berichten und neuen Materien mit Offenheit zu begegnen? Sollten nicht gerade Medien Vorurteile ausräumen und Themen kritisch gegenüberstehen? […]

Bilder: Geraldine Nirschl via Canva


Geraldine und Malin freuen sich übrigens über jedes Feedback zu ihrem Artikel und deshalb dürft Ihr den beiden auch gerne direkt schreiben.

Geraldine: gn008@hdm-stuttgart.de

Malin: mz069@hdm-stuttgart.de

 

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