14
Okt
2016
230

Demütigung und Erniedrigung – mögliche Rollenübernahmen

In meinem Blog Demütigung und Erniedrigung – Allgemeines hatte ich Euch bereits in die allgemeinen Grundlagen dieser hocherotischen Finesse begleitet. Dabei ging es zuerst einmal um den Begriff an sich, sowie um mögliche Gefahren, die der Praxis inne wohnen können.

Aber damit ist Demütigung und Erniedrigung ja noch nicht annährend auf den Punkt gebracht. Und ich hasse es, wenn Dinge nicht auf den Punkt gebracht sind. 😉

Deshalb möchte ich Euch heute unbedingt etwas über mögliche Rollenübernahmen innerhalb dieser so lustvollen Spielart schreiben.

Bei Demütigung und Erniedrigung geht es vor allem um den persönlichen Status der Beteiligten zueinander. Aus diesem Grund erfolgt in der Regel eine zeitweise oder andauernde Übernahme einer bestimmten Rolle, die den eigenen Status (oder anders: die eigene Position innerhalb des Kontakts) deutlich definiert.

Ich erzähle Euch einfach mal etwas über mögliche Rollenübernahmen, denn dann wird es gleich viel klarer.

 

Top und Bottom

…was einfach nur bedeutet, dass einer der beiden Spielpartner oben ist und einer unten. Mögliche und gebräuchliche Bezeichnungen wären hier Dom und Sub, Herrschaft und Sklaven, aktiver und passiver Part und dergleichen mehr. Das ist sicherlich die gängigste Rollenübernahme in BDSM-Spielen, -Beziehungen oder -Lebensformen.

 

Das Bottom als Unmündige/r

…bei Age Play, wie beispielsweise Schulrollenspielen oder auch Adult-Babyspielen. Es geht also um Spiele, bei denen das Alter der Spielpartner eine bezeichnende Rolle einnimmt. Das tatsächliche Alter ist dabei absolut unwesentlich. Natürlich handelt es sich nicht wirklich um Schulkinder oder Babys, sondern um erwachsene Menschen, die spielerisch die Rolle eines deutlich jüngeren Menschen übernehmen. Hierbei ist die jüngere Person quasi in einer Form von Abhängigkeit der führenden Person untergeordnet und erfährt dadurch mehr oder weniger autoritäre Anleitung, Zuwendung, Geborgenheit oder sexuelle Erfüllung.

Es ist glücklicherweise ein Klischee, dass diese Spielart von pädophilen Menschen als Erfüllungsstütze genutzt wird, ohne sich dabei wirklich im strafbaren Rahmen zu bewegen. Zumindest hoffe ich das und bin auch bereit, das zu glauben. Ich persönlich kenne einige Frauen, die sich gerne mal in ein heißes Schulmädchenoutfit oder strenges Lehrerinnenkostüm werfen und mit ihrem Partner einfach eine lustvolle Fantasie leben. Ohne Hintergedanken. Sollte es bei einigen Menschen doch anders sein, dann möchte ich es auf keinen Fall wissen, denn dann würde es richtig schräg in meinem Kopf und Bauch. Nein!

 

Das Bottom in einem Dienstverhältnis

…innerhalb dessen es bestimmte Aufgaben und Pflichten erfüllt, beispielsweise als Diener oder Zofe. An die Begrifflichkeiten Zofe und Diener sind keine konkreten Arbeitsbereiche gebunden. In erster Linie wird jedoch von einer Zofe und einem Diener Loyalität, Ergebenheit, Gehorsam, Höflichkeit und Hingabe gegenüber der Herrschaft erwartet. Das Arbeitsfeld geht von einfachen Dienstleistungen, wie beispielsweise das Einkaufen von Lebensmitteln oder kleinere Reinigungsarbeiten, bis hin zur Haushaltsführung, Instandhaltung und Pflege von Garderobe und Schuhen, die persönliche Körperpflege der Herrschaft oder zu einer Funktion als Gesellschafterin oder Gesellschafter. Und ja: diese Stellenbeschreibung könnte ebenso gut dem Mittelalter entsprungen sein.

Bei dieser Art der Rollenübernahme stellt sich das Bottom in den Dienst der Herrschaft und übernimmt darüber den erniedrigten Status. In der heutigen Zeit ist es innerhalb dieser Spielvariante gebräuchlich, aber nicht zwingend gegeben, dass auch sexuelle Verfügbarkeit in den Aufgabenbereich eingeschlossen ist.

 

Das Bottom in der Rolle eines Tieres

…auch Petplay genannt, ist eine weitere mögliche Rollenübernahme. In dieser Variante eines Statusspiels erfährt das Bottom in der Tierrolle eine meist abwertende Betrachtungsweise als Tier, beispielsweise als räudiger Köter, der ständig auf der Suche nach einer läufigen Hündin ist, oder als fettes Schwein, das erst noch ein bisschen gemästet und dann geschlachtet wird.

Ebenso ist aber eine Abwertung der Tierrolle als Nutzvieh, wie zum Beispiel das Pferd als Fortbewegungsmittel, aber auch einfach als Besitztum möglich.

Alle Formen haben gemeinsam, dass das Tier als weniger wertvoll betrachtet wird, als ein Mensch und somit liegt die Demütigung und Erniedrigung in der Übernahme der Tierrolle selbst. Ein perfektes Tieroutfit ist hierbei eher nebensächlich. In der Regel reicht eine Maske oder ähnlich vergleichbare Hilfsmittel, um die Tierrolle zu betonen.

Einige Menschen nutzen diese Rollenübernahme als eine Art Umweg des Selbstschutzes, da es sie eigentlich erregt, gedemütigt und erniedrigt zu werden – sie sich jedoch auf keinen Fall persönlich (als Mensch oder Partner) abgewertet fühlen möchten. Wieder andere genießen den Umstand, dass man als Tier instinkthaft und triebgesteuert sein und agieren darf, da ein Tier nicht an moralische oder gesellschaftliche Verhaltensformen gebunden ist.

Es gibt hier jedoch auch eine Sonderform, in der das Bottom in der Tierrolle nicht abwertend betrachtet wird. Diese Spielart nennt sich Zoomimik. Hier ist die Rolle des Tieres selbst das wichtigste Element des Spiels. Ein Mensch mit dieser Vorliebe möchte möglichst vollständig als Tier behandelt und dabei ganz bewusst nicht herabgewürdigt, sondern dafür geschätzt oder geliebt werden. Bei Zoomimik-Spielen ist, zur Verdeutlichung der Rolle und der Wertschätzung gleichermaßen, ein möglichst echt oder ansprechend gestaltetes Outfit elementar. Das kann beispielsweise ein hübsches Zaumzeug, Pferdehufe und ein prächtiger Schweif bei Ponyplay sein.

Du fragst, worum es Liebhabern dieser Spielart geht? Ich weiß es nicht genau. Vielleicht ist es die Freude am Rollenspiel an sich? Man kann sich verkleiden und von gesellschaftlichen Normen losgelöst spielerisch agieren. Vielleicht ist auch eine Schwärmerei für eine bestimmte Tierart eine mögliche Begründung für diese Form der Lust. Vielleicht ist es aber auch etwas ganz anderes und ich überlasse es gerne anderen Menschen, diese Lust in ihre Bestandteile aufzuspalten

 

Das Bottom ohne eigene Identität

…übernimmt in einer weiteren Form des Statusspiels eine depersonalisierte oder auch entmenschlichte Rolle. Bei dieser Variation wird das Bottom auf seine reine Funktion ohne eigene Persönlichkeit reduziert. Dies erfolgt durch den bewussten Einsatz von Masken oder Kapuzen, die das Bottom gewissermaßen gesichtslos werden lassen. Zusätzlich wird das Bottom, anstelle des Namens, mit einer Nummer oder einem Buchstaben angesprochen, so dass (rein äußerlich) die Person selbst kaum noch erkannt werden kann.

Hintergründe für die Lust an dieser Art der Erniedrigung gibt es wie Sand am Meer. Beispielsweise der Wunsch eines Bottoms sich selbst als Persönlichkeit, mit eigenen Denkweisen und Bedürfnissen, für die Dauer eines gewissen Zeitraums, komplett aufzugeben und absolut hingebend dienen zu können.

Gleichermaßen wird diese Technik auch gerne von Tops eingesetzt, die aufgrund ihrer Verbundenheit und Zuneigung zuweilen Schwierigkeiten damit haben, den geliebten Partner in einer Session demütigend zu behandeln. Und das, obwohl sich beide gleichermaßen lustvoll zu dieser Spielform hingezogen fühlen. So nach dem Motto: „So gerne würde ich Dich beschimpfen, wie meinen persönlichen Besitz behandeln, Dir Deinen Platz zuweisen und Dich auslachen, wenn Dich das auch noch anmacht. Und Du wünschst Dir das ebenso sehr, wie ich. Aber dann sehe ich Dein Gesicht. Das Gesicht von meinem Schatz und kriege es einfach nicht hin.“

Durch den Einsatz von Masken, Kapuzen und anderen Depersonalisationsformen verschwindet jedoch das Gesicht. Und damit, für diesen Augenblick, auch ein kleines bisschen der Mensch dahinter. So ist es leichter, die beiderseitigen Lüste ohne die Hemmschwelle von liebender Emotionalität zu leben.

 

Das Bottom als Gebrauchsgegenstand

…übernimmt die unterschiedlichsten Funktionen von Objekten, weswegen man auch von einer Objektifizierung sprechen könnte. Die bekannteste und vermutlich auch am häufigsten angewandte Methode ist die sexuelle Objektifizierung, bei der das Bottom von der Herrschaft als Lustobjekt genutzt wird.

Dies ist aber nicht zwangsläufig negativ oder entspringt rein egoistischen Denkweisen einer Herrschaft, denn sehr viele devote Menschen macht es unglaublich an, sexuell benutzt zu werden und für die Befriedigung der Herrschaft zu Verfügung stehen zu müssen. Da dieser Wunsch im Kern einer dienenden und hingebenden Struktur entspringt, ist das wohl auch eher schlüssig, als verwunderlich. Und auf der anderen Seite gibt es wohl kaum eine genussvollere Verfügbarkeit, als die eigenen sexuellen Bedürfnisse ungehemmt an seinem Bottom befriedigen zu können.

Neben der sexuellen Objektifizierung kann das Bottom aber auch viele andere Funktionen übernehmen, beispielsweise als Tisch oder Stuhl, wenn grade mal keine Abstell- oder Sitzmöglichkeit zur Hand ist. Auch eine Objektifizierung als Kerzenständer, Aschenbecher oder gar „human toilet“ kann gleichermaßen lustvoll, als auch demütigend eingesetzt werden.

 

Das Bottom als Rohstoffspender

…für Sperma oder Muttermilch stellt eine weitere mögliche Rollenübernahme dar, allerdings bin ich persönlich hierbei raus.

Mir entzieht sich einfach der Sinn dieser Rohstoffe, beziehungsweise für mich ist der Sinn bereits anders belegt. Sperma ist für mich ein hübsches Ergebnis von Erregung und Lust. Muttermilch ist Nahrung für Babys. Vermutlich bin ich da einfach zu simpel strukturiert. Und ich habe auch gar nichts dagegen, wenn es Menschen gibt, die diese Rohstoffe anders belegen und mit Freude ihren Ertrag und Abbau fördern. Punkt.

So. Jetzt habe ich Euch recht ausführlich mit dem persönlichen Status der teilnehmenden Spielpartner durch mögliche Rollenübernahmen beschäftigt. Aber damit ist die Kernthematik noch lange nicht beendet, denn nun baut sich darauf die nächste Ebene auf, nämlich die möglichen und konkreten Praktiken, die eine Demütigung und Erniedrigung des Bottoms herbei führen können.

Und damit beschäftige ich mich dann in meinem nächsten Blog zu der Thematik. 😉

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