7
Feb
2018
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Was bedeutet Leibeigenschaft (im BDSM-Kontext)?

Die Leibeigenschaft (auch Eigenbehörigkeit genannt) wurde vom Mittalter bis zur Neuzeit praktiziert und umfasste eine persönliche Verfügungsbefugnis eines Leibherrn über einen Leibeigenen.

Die Leibeigenschaft lag irgendwo zwischen Sklaverei und Hörigkeit, erreichte aber nicht die absolute Rechtlosigkeit und Willkürunterworfenheit der Sklaverei. Sie unterschied sich von der Sklaverei u.a. dadurch, dass der Leibeigene -im Gegensatz zum Sklaven- keine handelbare Ware war.

In der heutigen Zeit bedeutet Leibeigenschaft im BDSM-Kontext häufig:
  • Eine Dienstverpflichtung
    Der/die Leibeigene übernimmt allerlei Arbeiten und Aufgaben für die Herrschaft, wie z.B. Haushaltstätigkeiten, Einkäufe, Reparaturen oder Renovierungen, Instandhaltung der Kleidung (Wäsche, Bügeln, Schuhe putzen) und andere „lästige Tätigkeiten“.
  • Örtliche Bindung an die Herrschaft
    Ein/e Leibeigene/r muss „Verfügbarkeit“ mitbringen. Wenn die Herrschaft sie/ihn benötigt, sollte sie/er zeitnah zur Verfügung stehen können. In Einzelfällen lebt ein/e Leibeigene/r auch mit im Haushalt der Herrschaft – wenn gewünscht und möglich.
  • Verlust der Freiheit
    Ein Leibeigne/r ist nicht frei, sondern per Verpflichtung an seine/ihre Herrschaft gebunden. Eine Freilassung aus der Leibeigenschaft kann i.d.R. nach Belieben durch die Herrschaft oder gegen Entgelt erfolgen. Leibeigene können auch an andere Herrschaften ausgeliehen, ausgetauscht oder verschenkt werden.
    Natürlich ist ein solcher Vertrag/ solches Vorgehen in der heutigen Zeit sittenwidrig und trägt deshalb keinen Rechtsanspruch in sich begründet. 😉
  • Abgabenverpflichtung
    Der/die Leibeigne ist verpflichtet, einen gewissen monatlichen Obolus, der zuvor festgelegt wurde und seinen/ihren Möglichkeiten entspricht, an die Herrschaft anzutreten. Dabei kann es sich um einen rein symbolischen Wert handeln (z.B. 1 Ct) oder auch höhere Beträge – je nach Möglichkeit, gemeinsamer Lebensform und eigener Idee der Leibeigenschaft.

Alles andere, beispielsweise persönliche Freiheiten, Rechte und erotische/sexuelle Verfügbarkeit, wird üblicherweise zwischen Herrschaft und Leibeigenem/r ganz unterschiedlich abgesprochen und ausgestaltet.

Natürlich wurde die Sklaverei zwischen 1761-1888 abgeschafft, ebenso wie die Leibeigenschaft Anfang des 19. Jahrhunderts. Dies hier gilt alles bestenfalls im Zuge einer freiwilligen und rein moralischen Verpflichtung im BDSM Kontext – keinesfalls eine rechtlichen.

Und das ist auch gut so. 😉

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