6
Jul
2018
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Wunsch- und Tabulisten

Wunsch- und Tabulisten sind in der Regel nur ein Ausdruck dafür, dass du als passive/r Spielpartner/in nicht vermitteln konntest, welche Idee du von dir selber hast. Oder dass dein/e Top die Botschaft nicht deutlich genug verstanden hat. 😉

Wenn du dir als devotes Bottom z.B. explizit wünschen musst, dich ausgeliefert, wehrlos und beherrscht zu fühlen, dann wurde deine ganz eigene Vorstellung von Devotion nicht sichtbar, denn sonst wäre dieser Wunsch selbstredend.

 

Der Effekt von Wunsch- und Tabulisten

Durch umfangreiche Wunschlisten und auch Tabulisten beschneidest du dich selbst, denn möglicherweise sind die Ideen deiner/deines Top/s ja noch viel erregender und ausgefeilter? Und wenn sie von ihm/ihr kommen und dich dabei genau im Zentrum deiner Lust treffen, ist der Rausch vielleicht unmessbar höher?

Zugleich beschneidest du natürlich auch die Kreativität und Lust deiner Herrschaft, denn keine wirklich dominante und/oder sadistische Herrschaft genießt es, lediglich die Wünsche seiner Untergebenen „abzuarbeiten“ und dabei gleichzeitig alle (für dich) auch mal unangenehmen Spiele zu meiden. Denn in dem Fall wäre die Herrschaft eher der Sklave/die Sklavin des Bottoms – und nicht wirklich der führende, lenkende und herrschende Part über deinen Geist und Körper.

Möglicherweise begründen ja auch einige deiner Tabus auf zuvor gemachten schlechten Erfahrungen deinerseits – aber wer sagt dir, dass ein/e andere/r Top nicht wesentlich kompetenter oder einfühlsamer agiert und dann die gefürchtete Praktik sich plötzlich ganz anders anfühlt?

 

Die Idee von Dir selbst

Deshalb sollten deine Wünsche vor allem – wie bereits angesprochen – deine Idee von dir selbst beinhalten und nicht eine bloße Auflistung von Praktiken sein. Prüfe also sehr genau, vermittle „dein inneres Bild“ und nenne als Wünsche nur die Dinge (damit meine ich Praktiken), die für dich absolut wesentlich und ultimativ erregend sind.

Eine andere Möglichkeit wäre auch, „dein inneres Bild“ zu verdeutlichen und dann ALLE für dich möglichen Praktiken zu erwähnen, damit Top selbst wählen kann, welche ihn/sie am meisten ansprechen.

Bei den Tabus verhält es sich ähnlich. Bitte formuliere klar und offen deine Unsicherheiten und Ängste bestimmten Praktiken gegenüber – aber schließe nicht gleich kategorisch aus, was dir ein mulmiges Gefühl oder eben nicht ultimativen Spaß macht. Halte dabei jedoch die „Liste“ deiner Tabus wirklich so, wie sie sein sollte:

Praktiken und Methoden, die für dich absolut und unumstößlich undenkbar und undurchführbar sind

 

Tabus sind NICHT all die Dinge, die dich nicht anmachen oder die für dich langweilig sind. Das sind nur Spielarten, die dich nicht anmachen oder für dich langweilig sind. 😉

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