3
Mai
2019
111

Sprecht miteinander oder die Macht der Sprache!

Immer wieder stelle ich zu meinem größten Verwundern und zugleich Bedauern fest: Menschen sprechen nicht miteinander! Die Sprache wird auf Sparflamme gesetzt.

Fast immer, wenn ich frage:

  • Worauf steht dein Schatz denn so?
  • Welche Spielarten, Neigungen und/oder Aktionen machen ihn/sie am meisten an?
  • Hat er/sie geheime Fantasien und welche?
  • Was möchte er/sie denn am liebsten für Dich sein: geliebtes Miststück (mit Augenzwinkern), devoter Sklave/devote Sklavin (der/die dir gehorcht und dient), willenloses Lustspielzeug (bei dem/der im Fokus vor allem die eigene Erregung steht), genussvolles Folterobjekt (das Schmerzen lustvoll genießt) oder einfach nur dein Partner/deine Partnerin auf Augenhöhe, der/die mit dir aufregende Stunden verbringen möchte?
  • Was würde er/sie denn gerne mal erleben – traut sich aber vielleicht noch nicht so recht?
  • Wovor oder wofür schämt sich dein Schatz denn?
  • Wie ist denn sein/ihr inneres Bild von DIR, als dominanter Mensch? Bist Du laut oder leise, streng oder zugewandt, höflich oder vulgär? Oder von allem ein bisschen?
  • …ich könnte stundenlang weiter machen…

…ernte ich fragende Blicke und ein peinlich berührtes Gefühl von Menschen, die sich ertappt fühlen. Ertappt, weil sie eben genau diese Dinge von ihrem liebste Menschen nicht wissen.

Und immer wieder erlebe ich in letzter Zeit, dass Beziehungen zerbrechen, weil man sich „irgendwie ineinander geirrt hatte„, „vieles nicht ausgesprochen hatte„, „Vorlieben sich in verschiedene Richtungen entwickelt haben„, „mein Schatz plötzlich keinen BDSM mehr mag„, „die Sexualität irgendwie frustriert hat„, „man sich voneinander anderes erhofft und gewünscht hatte“ und ähnliche Begründungen.

Und fast immer steht dahinter, dass Menschen einfach nicht (genug) miteinander sprechen…

Warum?

Warum? Weil man sich schämt, weil man nicht weiß, wie man was fragen kann, weil man nicht weiß, wie der andere reagiert – weil man schlichtweg unsicher ist. Und das Gefühl von Unsicherheit mag ja niemand wirklich gern, d.h. man macht dann einfach nichts. Das erklärt auch, warum es vielen Menschen so schwer fällt, mit Sprache und Techniken der Kommunikation zu spielen.

Es ist in der Tat auch nicht leicht – aber hier kommt die gute Botschaft:

Kommunikation kann man lernen! Jede/r von uns!

Sprache ist…

Sprache ist unglaublich intim. Sie kann unfassbar berauschend sein, berühren, bewegen und verändern. Und Sprache ist das einzige Mittel, um uns gegenseitig zu erkennen und wirklich nah zu kommen.

Besonders im BDSM kann ich mit Sprache meinen Status deutlich machen, erregen, demütigen, Distanz oder Nähe herstellen, bestimmte Ziele vorgeben, Handlungen unterstreichen oder auch ein bestimmtes Bild von mir vermitteln. Und besonders im BDSM ist Sprache elementar wichtig!

Und was ist nochmal das Zentrum unserer Lust? Richtig, das Gehirn.

Was ich Euch damit sagen möchte? Bitte sprecht miteinander und habt keine Angst vor dem, was Ihr vielleicht zu hören bekommt. Irgendwann kommt sowieso alles ans Licht – da könnt Ihr sicher sein.

Und ansonsten kann ich auch meinen Workshop Kommunikation in der BDSM-Manufaktur wärmstens empfehlen, denn genau um all diese Dinge geht es darin: die Struktur eines solchen Gesprächs, das Erschaffen der richtigen (lustvollen) Stimmung und des richtigen (aufrichtigen) Settings.

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