7
Jun
2020

Mein erster Kurs seit Covid-19 – ein Erlebnisbericht

Gestern war es endlich soweit: mein erstes Seminar der BDSM-Manufaktur seit Covid-19! Ich war fast so aufgeregt, wie bei meinen ersten Kursen vor fast 15 Jahren ;-). Die Wochen und Tage vorher waren geprägt von lauter (emotional und fachlich) seltsamen Dingen:

  • Schutzmaßnahmenkonzept erstellen und mit den zuständigen Behörden abstimmen
  • Aushänge mit Hygieneregeln erstellen und anbringen
  • Mund-Nasenschutz nähen (damit immer genug da sind)
  • Desinfektion der gesamten Lokation inklusive Türen, Türgriffen, Geländern, Tischen, Stühlen, Arbeitsmaterial usw.
  • Verteilen von Handdesinfektionsmittel in rauen Mengen
  • Beschaffung und Aufbau von Plexiglaswänden
  • Boxen für „saubere Kugelschreiber, Blöcke und Masken“ und Boxen für „gebrauchtes Arbeitsmaterial“ beschriften
  • Abstände zwischen den Sitzplätzen ausmessen
  • …und vieles mehr…

Alles völlig ungewohnt und neu! Und damit fühlt es sich dann eben auch irgendwie unsicher, ungewohnt und „lost“ an. Und wie sehr ich es hasse, mich in irgendwelchen Bereichen meiner Arbeit fachlich nicht souverän und sicher zu fühlen!

Tausend Fragen im Kopf: Fühlen sich meine Teilnehmer/innen trotzdem wohl? Schaffe ich es, mit diesen Grundbedingungen eine schöne und angenehme Atmosphäre zu schaffen? Was wird sich an meinen Abläufen verändern? Wie kann ich erwachsenen Menschen höflich, freundlich aber dennoch unmissverständlich „vorschreiben“, dass sie beim Empfang, Bewegungen im Raum und immer dann, wenn Abstände nicht sicher eingehalten werden können, Masken tragen und sitzend am Tisch die Abstandsregeln einhalten müssen? Klappt das überhaupt? Kann ich selbst den ganzen Tag so fokussiert sein, nicht nur meine Lehrinhalte auf eine gute und lockere Art zu vermitteln, sondern auch diese ganzen neuen Rahmenbedingungen im Kopf zu behalten und umzusetzen?

Himmel! Ich kam mir echt vor wie ein 16-jähriges Mädchen vor einer Matheklausur!

Und zeitgleich habe ich mich natürlich auch wahnsinnig gefreut, endlich wieder arbeiten und lehren zu dürfen. ENDLICH, nach 3 Monaten Covid-19 wieder meinen Beruf auszuüben, den ich doch so mag und genieße!

Ich sage Euch, dass war echt eine reichlich seltsame Mischung der unterschiedlichsten Emotionen zwischen „Das schaffe ich nie!“ und „Ach, wird schon werden.“

Und gestern war es dann soweit. Ich bin bereits morgens um 4.30 Uhr aufgewacht und an schlafen war dann auch nicht mehr zu denken (na toll, jetzt bist Du nachher während des Seminars sicher müde, Lisa…). Also aufhübschen und ab in die Lokation. Dann musste mein kleiner innerer Kontrollfreak natürlich n o c h m a l alles kontrollieren (wird ja immer besser: ab mittags fällst Du sicher um, Lisa).

Und dann kamen sie: meine Gäste. Eine kleine, aber sehr nette, humorvolle, relaxte und denkende Gruppe Menschen. Und sie haben es mir so einfach gemacht! Sie haben meine Unsicherheiten einfach weggelächelt, bei kleinen Fehlerchen mit mir gelacht, die „neuen Regeln“ achtsam und respektvoll umgesetzt und von Minute zu Minute konnten wir uns wohl alle miteinander entspannen.

Klar war es zwischendurch auch immer mal etwas „creepy“ oder „strange“, wenn wir mit unseren Masken zur Toilette gewackelt sind – aber irgendwie auch auf eine witzige und annehmende Art. So ist es eben nun mal jetzt in unserer Welt. Aber wir waren trotzdem gefühlt nah – auch MIT dem Abstand.

Ich freue mich jetzt auf die nächsten Kurse – MIT kleinen Fehlerchen, MIT „creepy“ Toilettengängen, MIT Akzeptanz der neuen Umstände in unserer Welt und MIT NÄHE TROTZ ABSTAND!

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